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mit Rudi Roubinek (3. Mai 2009)
"Kottan
war Kult"
Im Theaterstück "Kottan ermittelt: Rabengasse 3a"
übernimmt Rudi Roubinek, einem breiteren Publikum als
Seyffenstein in "Wir sind Kaiser" bekannt, die Rolle
des Alfred Schrammel. Wie er sich als Kottans bzw. Supermans
Assistent tut und warum er mit seinem Privatauto die Staatspolizei
gerammt hat, darüber haben wir mit Rudi Roubinek gesprochen.
kottan.info:
Wie haben Sie den TV-"Kottan" seinerzeit erlebt?
Rudi Roubinek: Na, ja, ich war noch ein Bub damals.
Das erste, woran ich mich bezüglich "Kottan"
erinnern kann, ist die Szene, als Franz Buchrieser als Kottan
im Superman-Kostüm dasteht und der andere nackt ist.
An Peter Vogel kann ich mich nicht erinnern, am besten habe
ich die späteren Folgen mit Lukas Resetarits im Kopf.
Da war ich dann im richtigen Alter und "Kottan"
war auch schon Kult.
kottan.info: War es schwierig, in die Rolle Alfred Schrammel
zu schlüpfen?
Roubinek: Eigentlich nicht, denn das hat sich gewissermaßen
daraus ergeben, wie Kottan mit ihm umgeht und wie die Figur
gestrickt ist.
kottan.info: Ist die Konkurrenz zwischen Schauspielern
so ausgeprägt wie jene zwischen Kottan und Schrammel
im Stück?
Roubinek: Das weiß ich nicht. Aber der Nowak
z.B., der ist ja keine Konkurrenz
- Also, bei uns im
Ensemble sehe ich derartiges nicht, da finde ich alles sehr
harmonisch und kollegial.
Reinhard Nowak (Zwischenruf): Ich hab ihm sogar eine
Pointe überlassen!
Roubinek: Ja, genau, stimmt. Er hat mir eine Pointe
geschenkt.
kottan.info:
Hatten Sie schon einmal unerwünschten Kontakt mit der
Polizei?
Roubinek: Ja, ich habe einmal einen Auffahrunfall
verursacht. Ich war unterwegs zu einem Rendezvous mit einer
hübschen jungen Dame und dementsprechend aufgeregt. Abgelenkt
wie ich war, bin ich auf regennasser Fahrbahn der Staatspolizei
hinten rein gescheppert, mit einem ziemlichen Karacho. Die
Staatspolizei hat da gerade Alois Mock begleitet, das war
so eine Art Konvoi. Die beiden Herren waren eigentlich recht
nett, zwar baumlang und mit sehr kurz geschorener Frisur,
und die haben mir erklärt, wenn bei einem Konvoi nicht
gesichert ist, dass alle Fahrzeuge bei einer grünen Ampelphase
durchkommen, dann müssen alle stehen bleiben. Sie haben
also sogar zugegeben, dass sie sehr abrupt stehen geblieben
sind, aber ich hätte halt trotzdem nicht reinfahren dürfen.
Es war binnen zwei Minuten die Funkstreife da und die haben
mich dann beamtshandelt. Aber eigentlich ist eh alles ganz
gut abgegangen.
kottan.info:
Was machen Sie gegenwärtig neben dem Rabenhof-Engagement?
Roubinek: Wir produzieren gerade die dritte Staffel
von "Wir sind Kaiser". Da sind noch Folgen aufzuzeichnen,
Einspieler zu drehen und natürlich auch die Sendungsbücher
zu schreiben, also habe ich bis Juni noch sehr gut zu tun.
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Interview
mit Reinhard Nowak (22. April 2009)
Meine
Lieblingsfigur war immer der Schrammel
Im Wiener Rabenhoftheater spielt Reinhard Nowak ab Mitte April
2009 die Figur des Major Kottan im Stück "Rabengasse
3a". Wir führten mit ihm ein Gespräch über
seine persönlichen Bezüge zu Kottan sowie über
seine Erfahrungen mit der ganz realen Polizei und Arrestzellen.
kottan.info:
Wie haben Sie "Kottan ermittelt" im Fernsehen seinerzeit
erlebt?
Nowak: Ich war damals erst zwölf Jahre alt - 1976 war
die Erstaustrahlung - und da habe ich die ersten Folgen noch
nicht so richtig realisiert, sondern den "Kottan"
erst später mitgekriegt. Wir hatten damals, glaube ich,
sogar noch einen Schwarzweiß-Fernseher - den ersten
Fernseher hatten wir überhaupt erst zur Mondlandung (1969)
bekommen, als ich fünf Jahre alt war. Als Komödie
habe ich "Kottan" erst später, mit den Folgen
mit Franz Buchrieser, mitbekommen.
kottan.info: War es für Sie schwierig, die Rolle des
Major Kottan zu erarbeiten?
Nowak: Na, eigentlich nicht. Ich habe mich auch nicht speziell
vorbereitet - das mache ich eigentlich nie. D.h. ich arbeite
nicht wochenlang beim Billa, wenn ich einen Verkäufer,
oder bei einer Bank, wenn ich einen Bankangestellten spielen
soll. Ich kann mich so auch hineinversetzen. Ich habe auch
kein Schusstraining gemacht, weil es gibt ja Leute, die machen
monatelang ein Schusstraining bei der WEGA. Aber ich glaube,
das kriegt man so auch hin. Man kann sich ja sowieso nicht
auf alles vorbereiten. Wie soll man denn vorgehen, wenn man
einen Mörder spielt? Da kann man ja auch nicht vorher
hergehen und schon mal wen umbringen
kottan.info:
Sie sind nun - vom ersten Hörspiel bis zum letzten TV-Film
- der fünfte "Kottan"-Darsteller. Welcher hat
Sie am meisten beeindruckt?
Nowak: Damals, als ich den "Kottan" im Fernsehen
gesehen habe, habe ich Franz Buchrieser am lustigsten gefunden,
denn der hatte einen sehr trockenen Schmäh. Am lustigsten
war für mich aber sowieso immer die Figur des Schrammel,
den C. A. Tichy so trocken und herrlich "deppert"
gespielt hat - da konnte ich am meisten lachen, das war meine
Lieblingsfigur.
kottan.info: Hatten Sie schon einmal unerwünschten
Kontakt mit der Polizei?
Nowak: Na ja, früher schon, wegen Delikten mit dem Moped
oder mit dem Auto. Einmal habe ich sogar eine Ersatzfreiheitsstrafe
angetreten wegen 500 Schilling, die ich nicht zahlen wollte.
Diese Geldstrafe habe ich damals nicht eingesehen, nur weil
da irgendwas mit der Ab- und Anmeldung nicht geklappt hat,
und da bin ich eine Nacht im Häfen gesessen. Das war
ziemlich ungut, denn ich bin echt schlecht behandelt worden:
Ich konnte nicht auf die Toilette gehen in der Nacht, denn
wenn man geläutet hat, ist einfach keiner gekommen. Meine
Tasche, die ich mit Büchern gefüllt hatte, um mir
die Zeit zu vertreiben, haben sie mir natürlich weggenommen.
Ebenso meine Brille, d.h. ich hätte sowieso nicht lesen
können, und um 10 Uhr haben sie das Licht abgeschaltet.
Dann
bin ich die ganze Zeit einfach so auf der Pritsche gelegen
und das war schon hart. - Die späteren Kontakte mit der
Polizei waren dann dank "Kaisermühlen Blues"
eigentlich immer positiv. Diese Serie war bei den Polizisten
offenbar beliebt und so habe ich mir schon ein paar Strafen
erspart. Das wird aber jetzt wahrscheinlich wieder anders
werden, denn so wie ich den Kottan spiele, werden sie mich
bei der Polizei vielleicht wieder weniger mögen
den Bonus habe ich wohl verspielt, in Zukunft werde ich wohl
auch wieder Strafmandate zahlen.
kottan.info: Welche Projekte habe Sie neben dem "Kottan"
aktuell am Laufen?
Nowak: Gegenwärtig bin ich im Fernsehen zu sehen, in
den "Lottosiegern". Außerdem spiele ich noch
mein Kabarettprogramm "Angst", bereite aber schon
ein neues Programm vor, das zu Beginn des kommenden Jahres
Premiere haben wird. Und außerdem hoffe ich, dass ich
endlich einmal die Zeit finde, um auf eine Runde Golf gehen
zu können.
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Interview
mit Jan Zenker (14. April 2009)
Mein
Vater hätte Kottan lieber selbst umgebracht
Am 15. April 2009 erscheinen sechs neue Kottan-Hörspiele,
denen jene Originaldrehbücher Helmut Zenkers aus dem
Jahr 1984 zugrunde liegen, die der ORF damals überraschend
- und für immer - auf Eis gelegt hat. Jan Zenker zeichnet
dafür hauptverantwortlich, dass diese Episoden von Kottan
ermittelt nun doch noch das Licht der Öffentlichkeit
erreicht haben. Wir haben mit ihm darüber gesprochen...
kottan.info:
Wie kam es zur Produktion der Kottan-Hörspielen?
Jan Zenker: Die Angelegenheit wurde eigentlich durch EuroVideo
ins Rollen gebracht, wo im Herbst 2007 sehr erfolgreich die
gesamte Serie Kottan ermittelt auf zwei DVD-Boxes
veröffentlicht wurde. Durch die Hintergrundrecherche
zu der Edition ist man auf die ungedrehten, letzten sechs
Kottan-Folgen Nummer 20-25 gestoßen, und
diese sollten als Zusatzmaterial in Form von Hörbüchern
der Kottan-Serie auf DVD beiliegen.
k.i.: Aber Hörbücher sind es nicht geworden...
Zenker: Nein, nach Rücksprache mit meiner Familie und
mit Lukas Resetarits, der als Sprecher der Hörbücher
vorgesehen war, kamen wir zum Schluss, dass man für ein
Hörbuch ein Buch als Prosatext benötigt - und kein
Drehbuch mit Dialogen. Von der neu geborenen Idee unsererseits,
aus den Filmdrehbüchern stattdessen Hörspiele zu
machen, war EuroVideo begeistert, und so erstellte mein Team
relativ schnell ein Konzept.
k.i.: Handelt es sich bei den Hörspielen nun um das
wahre Ende von Kottan, so wie es auf der Hörspiel-Box
steht?
Zenker: Natürlich. 1984 liefen die Vorbereitungen für
die TV-Folgen 20-25. Doch wenige Tage vor Drehbeginn beschloss
Gerd Bacher, der damalige Generalintendant des ORF, Kottan
hinterrücks zu meucheln. Mein Vater hätte Kottan
lieber selbst umgebracht und das wäre mit der letzten
Staffel ohnedies passiert, mit Folge 25 wäre Kottan sowieso
1984/85 vorbei gewesen. Einen würdigen Abschluss mit
dem Ende, das sich Helmut Zenker vorgestellt hat, gibt es
jetzt zumindest in Hörspielform.
k.i.: Welche Schauspieler konnten zur Mitarbeit an den Hörspielen
bewogen werden?
Zenker: Da es wie gesagt ein würdiger Abschluss der Serie
sein sollte, habe ich versucht, möglichst viele Darsteller
der Originalserie für das Projekt zu gewinnen, was auch
gelungen ist. Die Besetzung liest sich nun wie ein Whos
who der Kottan-Serie: Lukas Resetarits,
Franz Buchrieser, Bibiana Zeller, Chris Lohner, Franz Suhrada,
Kurt Weinzierl, Veronika Faber und Heribert Sasse.
k.i.:
Kurt Weinzierl wäre wieder als Polizeipräsident
Heribert Pilch vorgesehen gewesen, ist aber leider kurz vor
den Aufnahmen verstorben...
Zenker: Ja, er hatte sich schon gefreut, wieder in die Rolle
des Polizeipräsidenten Pilch zu schlüpfen. Ich muss
mich an dieser Stelle auch bei seiner Lebensgefährtin
Veronika Faber und seiner Tochter Annabel bedanken, die trotz
des schweren Verlustes am Entstehen dieser Hörspiele
mitgewirkt haben.
k.i.: Wer spricht nun die Rolle des Polizeipräsidenten?
Zenker: Mat Schuh ist eingesprungen und hat dem Polizeipräsidenten
eine ganz eigene, tolle Note gegeben. Ich war wirklich beeindruckt,
was er alles mit seiner Stimme anstellen kann.
k.i.: Was gibt es noch über die Besetzung zu sagen?
Zenker: Dass wir auch den großartigen Wolfgang Pampel
für das Projekt gewinnen konnten, der über eine
der wohl bekanntesten Stimmen des deutschsprachigen Raums
verfügt. Diese lieh er als Synchronsprecher u.a. den
Schauspielern Harrison Ford (Indiana Jones) und
Larry Hagman (J. R. Ewing aus Dallas).
Außerdem ist auch Kottan-Regisseur Peter
Patzak dabei, nämlich als Erzähler.
k.i.: Sie selbst waren nicht nur für die Bearbeitung
der Drehbücher zuständig, sondern fungierten auch
als Produzent und Regisseur.
Zenker: Bei der Bearbeitung habe ich größten Wert
darauf gelegt, die Drehbücher möglichst authentisch
in die Hörspiel-Form zu übertragen, damit sich der
Kreis für alle Kottan-Fans schließt.
Die Regie habe ich übernommen, nachdem der vorgesehene
Regisseur Paul Zagler, der in Fachkreisen in Österreich
und Deutschland hoch angesehen war, am Tag nach einer Aufnahme
unerwartet im Alter von erst 49 Jahren starb. Ich habe in
den letzten Jahren nicht nur viel mit ihm zusammengearbeitet,
sondern er war auch ein wertvoller Freund.
k.i.: Wann und wo kann man die Hörspiele erwerben?
Zenker: Die Hörspiele werden am 15. April zeitgleich
mit der Premiere des Theaterstücks Kottan ermittelt:
Rabengasse 3a im Rabenhof Theater präsentiert.
Dort kann man sie ab diesem Datum in einer Hörspiel-Box
mit einigem Bonusmaterial auch erwerben. Ab 14. Mai sollte
man sie dann im gut sortierten Fachhandel überall finden.
k.i.:
Welches Bonusmaterial gibt es?
Zenker: Wir haben einige Schmankerln hineingepackt. Zum Beispiel
haben wir die Telefonprotokolle der ORF-Beschwerdehotline,
die zu Beginn der Kottan-Serie regelmäßig
heiß lief, mit dem Wiener Landespolizeikommandanten
Generalmajor Karl Mahrer aufgenommen. Dieser entpuppte sich
als wahrer Entertainer und gibt die empörten Anrufe wirklich
köstlich wieder.
k.i.: Die Kult-Serie Kottan ermittelt erlebt
2009 gleich eine Vielfachauferstehung: Theaterstück,
Hörspiele - und immer öfter hört man von einem
Kinofilm. Was können Sie uns dazu sagen?
Zenker: Dass wir intensiv daran arbeiten - aber noch ist die
Finanzierung nicht abgeschlossen. Es schaut gut aus, aber
die Entscheidung wird wahrscheinlich erst in den nächsten
beiden Wochen fallen.
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Interview
mit Thomas Gratzer
(5. April 2009)
"Warum musste man drei Jahrzehnte
auf die Kottan'-Bühnenversion warten?"
Dass
am 15. April 2009 in Wien eine Bühnenversion von "Kottan
ermittelt" Premiere hat, ist im doppelten Sinn ein Verdienst
Thomas Gratzers. Einerseits initiierte er das Projekt in seiner
Eigenschaft als Direktor des Rabenhof Theaters; andererseits
zeichnet er als Regisseur des Stücks "Rabengasse
3a" nun auch ganz unmittelbar für die Inszenierung
veranwortlich. Wir haben Thomas Gratzer dazu befragt
kottan.info:
Ab 15. April zeigen Sie im Rabenhof Theater eine Bühnenversion
von "Kottan ermittelt".Wie sind Sie auf diese Idee
gekommen?
Thomas Gratzer: Die Figur Kottan ist ja eigentlich erstmalig
(noch unter anderem Namen) in einem Volksstück von Helmut
Zenker am Volkstheater Mitte der Siebzigerjahre aufgetaucht.
Und da diese Figur und das Setting durchaus auch volksstückartigen
Charakter haben, lag es für mich nahe, das nicht mehr
wirklich zeitgemäße Genre "Volksstück"
wiederzubeleben und Kottan endlich auf die Bühne zu bringen,
wo er ja auch hingehört. Zusätzlich ist ein weiterer
Ansatz, Helmut Zenker durchaus in eine Reihe mit den großen
Bühnenautoren dieses Genres zu stellen, das geht von
Turrini über Kroetz bis hin zu Ödön von Horvath.
k.i.: Ist Kottan 26 Jahre nach Ende seiner Fernsehkarriere
überhaupt noch eine zeitgemäße Figur? Wie
kann man ihn ins 21. Jahrhundert holen?
Gratzer: Gerade die Dramatisierung der ersten Folge, "Hartlgasse
16a", bietet sich für eine zeitgemäße
Bühnenadaption an, zumal das Thema "Ausländerfeindlichkeit"
eigentlich noch stärker geworden ist als damals zur Entstehungszeit,
da mittlerweile ja auch die Politik, auf unappetitliche Weise,
damit auf Stimmenfang geht. Es hat sich thematisch nichts
geändert und somit ist Kottan von zeitloser Aktualität.
Zusätzlich ist auch der karrieretechnische Infight des
Polizeiapparates öffentlich in den letzten Jahren ein
starkes Thema gewesen - die tragische Figur Horngacher etwa
scheint ja durchaus Pilchsche Züge zu tragen - und auch
dies ist schon im ersten Kottan angedeutet.
k.i.: Wie gelingt es, sowohl "ältere" Kottan-Fans
anzusprechen als auch ein junges Publikum, das die TV-Serie
vielleicht nur vom Hören-Sagen kennt?
Gratzer: Dies soll einerseits durch die Besetzung gelingen
- "Starmania-Star meets TV-Beauty" -, andererseits
aber auch durch den Ansatz "Na wie wird das funktionieren?".
Ein klassischer Kottan-Fan ist ja geradezu gezwungen, seinen
Fetisch auf Bühnentauglichkeit zu überprüfen
- so hoffe ich zumindest.
k.i.: Wie schwierig oder belastend ist es, mit seiner Inszenierung
einer Wiener Kultfigur gerecht werden zu müssen?
Gratzer: Man muss sich unbedingt vom großen Vorbild
befreien, sonst ist man gelähmt. Was Zenker und auch
Patzak damals gemacht haben, ragt wie ein Monolith aus der
österreichischen Fernsehgeschichte und jeder, der damals
jung und halbwegs lässig unterwegs war, konnte sich mit
diesem Fernsehformat identifizieren. Allerdings erinnert in
unserer Version keine einzige Figur, schon vom Typ her, nicht
an die großen Vorbilder, obschon ich beim Buch auf "Werktreue"
achte. Eine Hilfe ist aber sicher auch, dass es auch im Original
drei Kottan-Darsteller gab, die zwar höchst unterschiedlich,
aber doch jeder für sich äußerst "genial"
die Figur Kottan interpretiert haben. Wichtig war für
mich, dass niemand aus der alten Garde dabei ist, so sehr
ich alle damals Beteiligten schätze, um unvoreingenommen
an die Sache ranzugehen. Man muss den Kottan fürs Jahr
2009 neu erfinden und ich denke, das wird gelingen.
k.i.:
Die Rollen wurden interessant besetzt. Es spielen erfahrene
Leute neben Menschen, die man nicht unbedingt auf einer Theaterbühne
erwartet hätte. Von welchen Überlegungen haben Sie
sich bei der Besetzung leiten lassen?
Gratzer: Das Rabenhof Theater steht generell für einen
unkonventionellen Zugang zur Kunstform Theater, dahingehend
ist es für uns immer wichtig gewesen "schräge"
Besetzungsideen einfließen zu lassen und nicht nur klassische
Schauspieler zu engagieren. Robert Palfrader hat etwa im Rabenhof
debütiert und nächste Saison spielt er im Volkstheater
den "Liliom", nachdem ihn Direktor Michael Schottenberg
im Rabenhof als Schauspieler entdeckt hat. Vor Palfraders
Rabenhof-Engagement wäre wohl niemand auf die Idee gekommen,
ihn auf einer Theaterbühne zu besetzen. Ebenso verhält
es sich mit Oliver Baier, der auch bei mir angefangen hat,
die ersten Theaterrollen zu spielen und siehe da: ab Herbst
spielt er als Schauspieler im Theater an der Josefstadt.
k.i.: Was können Sie uns als Regisseur über den
Probenverlauf verraten?
Gratzer: Spannende Konstellationen, viel Spaß bei den
Proben und durchaus auch Neuentdeckungen fürs österreichische
Bühnengeschehen. Und wenn der Zuschauer nur halb soviel
Spaß hat wie wir, haben wir schon gewonnen.
k.i.: Welche Rolle spielt die Musik in Ihrer Inszenierung?
Gratzer: Mit dem Engagement der Elektronikformation "KILO"
haben wir den Schritt in Richtung Avantgarde gemacht, diese
Herren treten unter anderem auch beim renommierten "Wien
modern"-Festival auf. Wichtig war für mich aber,
den Charakter des Original-Soundtracks einzubeziehen, und
damit kommt auch der von mir hochverehrte Georg Danzer ins
Spiel, der von KILO
äußerst sensibel ge-remixt wird.
k.i.:
Das Rabenhof Theater gilt im Allgemeinen als eine Bühne
für kritische, progressiv-alternative bis regelrecht
linke Produktionen. Kann man das auch von Ihrem "Kottan"
sagen?
Gratzer: Das Rabenhof Theater gilt im Allgemeinen als Alternativ-Mainstream-Hütte,
in der Künstler, Projekte und Produktionen rauskommen,
die im klassisch-konventionell-akademischen Kulturbetrieb
keine Chance kriegen, um dann, wenn es funktioniert (was erfreulicherweise
sehr oft der Fall ist), sofort von jenem Kulturbetrieb aufgesogen
zu werden. In diesem Sinne ist auch "Kottan " im
Rabenhof zu verstehen, denn es stellt sich schon die Frage,
warum man in Wien drei Jahrzehnte auf die Bühnenversion
von "Kottan ermittelt" warten musste?
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Interview
mit Tibor Zenker (2. April 2009)
Kottan hätte gerne in
der Causa BAWAG ermittelt
Österreichs
kultigster Polizist ermittelt endlich wieder. Am 15. April
2009 hat am Wiener Rabenhoftheater das Stück Kottan
ermittelt: Rabengasse 3a Premiere. Die Website www.kottan.info
führte aus diesem Anlass mit dem Autor Tibor Zenker ein
Gespräch über seinen Kottan-Entwurf,
Probleme der Polizeiarbeit, zeitloses Wienertum, Opiumhöhlen
fürs Volk und die Wirtschaftskrise.
kottan.info:
Am 15. April gibt Kottan sein Debüt auf der
Theaterbühne. Wie ist es dazu gekommen?
Tibor Zenker: Die Initiative ging von Rabenhof-Direktor Thomas
Gratzer aus. Vor etwa zweieinhalb Jahren hat sich dieser bei
uns, d.h. bei meinem Bruder Jan und mir, gemeldet und uns
zu einem Gespräch eingeladen. Für das Projekt Kottan
auf die Theaterbühne konnten wir uns grundsätzlich
alle sehr schnell begeistern, die Entwicklung hat dann aber
doch einiges an Zeit verschlungen. Wir haben mehrere Ideen,
Ansätze, Konzepte und Entwicklungsschritte durchlaufen
und verworfen, weil wir sie als nicht gut genug oder als undurchführbar
ansahen, um dann letztlich bei einem Konzept zu landen, das
im Prinzip ohnehin von vornherein auf der Hand gelegen wäre.
Ich bin aber sehr froh, dass wir diese produktive Entwicklung
durchgemacht haben und nun auf einer konzeptionellen Basis
das Stück entwickelt haben, die der Figur Kottan und
ihrem Erfinder Helmut Zenker umfassend gerecht wird.
k.i.: Welches Konzept war das?
Zenker: Wir haben uns zu Beginn die Frage gestellt, wie es
um Kottan 26 Jahre nach seinem letzten Fall im Fernsehen bestellt
ist, wie er ausschaut. Wie hat er sich weiterentwickelt? Das
war nicht leicht zu beantworten, denn die Kottan-Serie
hat 1976-1983 selbst schon verschiedene Entwicklungsetappen
gezeigt, vom sozialkritischen Realismus über die antiautoritäre
Satire bis hin zur absurd-surrealen, teilweise klamaukartigen
Komödie mit Gesangseinlagen. Dementsprechend hat sich
auch die Kottan-Figur verändert, vom proletarischen
Antihelden, der gegen das allgegenwärtige Wien-Klischee
in Stellung gebracht wird, zum cool-sonnigen Schmähführer
und Bandleader, was aber durchaus dem Übergang von den
70er Jahren in die 80er entsprach. Wir waren uns zunächst
nicht im Klaren, bei welchem Kottan wir ansetzen sollten,
und versteiften uns dann auf den Versuch, die letzte Entwicklungsetappe
weiterzuspinnen. Das war nicht nur schwierig und kontroversiell,
sondern letztlich auch immer wieder im Ergebnis unbefriedigend.
Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht
viel richtiger wäre, Kottan zu seinen eigentlichen Wurzeln
zurückzuführen und von dieser Form ausgehend ins
21. Jahrhundert zu holen, d.h. auf gegebener Grundlage neu
zu finden.
k.i.: Wie kann man sich das vorstellen? Inwiefern müssen
wir 2009, 26 Jahre nach dem letzten Fernsehfilm, nun mit einem
erneuerten Kottan rechnen?
Zenker: Wir haben Kottan nicht aus dem Nirwana
neu erfunden das wäre auch völlig vermessen
gewesen , sondern wir haben seine ursprüngliche
Form, seinen Charakterrahmen, sein soziales Milieu, sein Denken
und Handeln angenommen und dafür gegenwärtige Anknüpfpunkte
gesucht. Wenn dieser Ausgangs-Kottan in Interaktion
mit gegenwärtigen Gegebenheiten tritt, dann verändert
das verschiedene vorliegende Facetten, mildert sie ab oder
verstärkt sie, fügt scheinbar neue hinzu, die nur
latent vorhanden waren. Im Ergebnis ist unser erneuerter Kottan
im Jahr 2009 nun z.B. geprägt von übersteigertem
und fast schon pathologischem Konkurrenzdenken, wie es uns
in den letzten 20 Jahren der neoliberale Kapitalismus, der
gerade den Bach runter geht, eingetrichtert hat, von einer
institutionalisierten Ausländerfeindlichkeit und einem
Rassismus, wie sie erst Haider und Strache fast flächendeckend
wieder salonfähig gemacht haben, von einem Sexismus,
der nicht mehr bloß patriarchales Relikt ist, sondern
neuer Perspektivlosigkeit entspringt, sowie von neuen Ängsten,
deren Instrumentalisierung Einschüchterungselemente autoritärer
Politik sind, wie z.B. Islamismus und Terrorismus, Kinderpornografie,
informationsgesellschaftliche Allgegenwart etc. Unser
neuer Kottan ist innerlich gehetzter und bedrängter,
äußerlich härter und rücksichtsloser.
Seine Indifferenz und sein Nihilismus sind keine tauglichen
Mittel mehr gegen die Zwänge der Gegenwart. In diesem
Sinn ist Kottan auch ein Loser, nicht nur ein Modernisierungsverweigerer,
sondern ein Modernisierungsverlierer, wie man
im Allgemeinen sagen würde in Wirklichkeit ein
Opfer neoliberal-globalisierter Durchdringung der Gesellschaft.
Diesem Faktum kann man progressiv-emanzipatorisch begegnen
oder reaktionär-faschistoid; Kottan tut letzteres.
k.i.: Das Stück Rabengasse 3a orientiert
sich namentlich offensichtlich an der allerersten Kottan-Geschichte
und am ersten Film Hartlgasse 16a aus dem Jahr
1976. Ist das auch inhaltlich der Fall?
Zenker: Wir haben uns tatsächlich die Hartlgasse
als Ausgangsbasis vorgelegt, nicht aus Bequemlichkeit, sondern
der Authentizität wegen, um auch die Distanz zu Helmut
Zenkers Originalschaffen gering zu halten. Das bedeutet aber
nicht, dass wir die Geschichte einfach nur aus dem Brigittenauer
Zinshaus in den Erdberger Gemeindebau verlegt haben. Ein Grundprinzip
von Kottan ermittelt war immer die Unberechenbarkeit,
war immer der Versuch, Erwartungshaltungen zuerst aufzubauen
und zu wecken und dann zu enttäuschen. Das gilt
auch für die Rabengasse. Wir haben zwar den
zugrunde liegenden Mordfall, wie er auch in der Hartlgasse
geschieht, übernommen, aber in weiterer Folge ist für
einige Überraschungen, zusätzliche Wendungen und
nicht zuletzt ein neues Ende gesorgt. Wer die Hartlgasse
kennt, sollte sich im Theatersessel im Rabenhof also besser
nicht zu sicher fühlen. Und selbstredend treten natürlich
veränderte und andere Charaktere auf, in einem anderen
Umfeld, Unzeitgemäßes in Form und Inhalt wurde
verworfen, aktuelle Realitätsbezüge wurden geschaffen.
Wir sind aber nicht von Grund auf sadistisch, d.h. es gibt
auch den einen oder anderen Fixpunkt als Anker für Kottan-Kenner.
k.i.: Gibt es einen renitenten Kaffeeautomaten? Abgefahrene
Autotüren?
Zenker: Beides nein. In der Küche des Rabenhoftheaters
führe ich seit Monaten ganz real meinen persönlichen
Kampf mit der Kaffeemaschine das genügt. Und bei
jeder Aufführung ein Auto zu ramponieren, wäre zwar
reizvoll gewesen, erwies sich jedoch als zu kostspielig. Da
hilft auch die Verschrottungsprämie nichts.
k.i.:
In der Ankündigung des Rabenhoftheaters ist von einer
zeitlosen Gültigkeit der Kottan-Figur die
Rede. Ist Kottan ein klassischer, ein typischer Wiener?
Zenker: Kottan ist als eine wahrhafte Figur durchaus ein Wiener
Prototyp. Der typische Wiener spielt in aller Regel nämlich
nicht Violine in einem Klassikorchester, hat keinen Fiaker
in der Garage stehen und geht nicht auf den Opernball. Die
Wiener in herkömmlicher Literatur, in den Medien und
in Touristenfoldern waren früher und sind es oft
immer noch lediglich Zerrbilder aus dem alten Kakanien,
die mit dickem Zuckerguss und ausreichend Grünem Veltliner
die Realität verdecken sollen. Kottan repräsentiert
demgegenüber denjenigen Wiener, den man tatsächlich,
im ganz wirklich echten Leben auf der Straße, bei der
Arbeit, in der Freizeit, beim Einkaufen oder in öffentlichen
Verkehrsmitteln antrifft. Er ist kein Antiklischee, das alle
dem Standard-Klischee unterstellten positiven Eigenschaften
ins Gegenteil verkehrt und somit einen genauso unwahren negativen
Gegenentwurf bloß gewendeter Klischeehaftigkeit darstellt,
sondern er stellt angenäherte Normalität dar. Er
ist als Mensch unperfekt, ewig unzufrieden, er hat seine Schwächen
und Unzulänglichkeiten, er ist mitunter ein Querulant,
manchmal sogar asozial. Er ist integraler Bestandteil oder
wenigstens Spiegelbild der einfachen, normalen Bevölkerung
Wiens, aus dem Gemeindebau, aus der Vorstadt. In diesem Bereich
und in diesem sozialen Milieu, wo natürlich in jede Richtung
Nuancen bestehen, ist Kottan als Figur angesiedelt, da kommt
er her und dort wird er in Szene gesetzt. Nicht zu dem Zweck,
diese Menschen zu desavouieren, sondern um sie in ihren Bedingungen
und Begebenheiten, in ihrem Sein zu zeigen, wodurch ihr Denken,
Fühlen, Handeln und Bewusstsein bestimmt sind. Nur allein
dieser Blick lässt die Erkenntnis über tatsächliche
Unzulänglichkeiten in der Gesellschaft zu, die ja auch
nicht aus dem Nichts entstehen. Kottan ist nicht gerade das,
was gerne gesehen wird, aber das, was gezeigt werden muss.
Und in diesem Sinne ist Kottan nicht nur ein zeitloser Wiener,
er ist ein zeitloser Normalbürger, der sonst wenn
sich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten
des Landes in den Vordergrund drängen bloß
als Kulissenschieber auftreten darf. Aber diese Eliten sind
eben nur eine potemkinsche Gesellschaftsillusion, dahinter
ist es mit der Wiener Gemütlichkeit, Herzlichkeit und
Harmonie nicht weit her. Das wollen wir zeigen, darum geht
es. Und in genau diesem Sinn, im Horvathschen Sinn, ist unser
Kottan im Rabenhof ein Volksstück, also, um mit Alfred
Polgar zu sprechen, zugleich ein Volksstück und die
aufdeckende, entlarvende Parodie dazu. Ja, Major
Kottan ist im Kern seines Seins und Bewusstseins der zeitlose
echte Wiener unserer Epoche, und zwar nicht in
der Comic-haften Variante eines Mundl Sackbauer. Oberinspektor
Marek war dagegen die überkommene Kunstfigur eines ständig
beförderten bürgerlichen Wunschdenkens, in dessen
Sinne eine etablierte, klassenneutralisierte, staatstragende
und möglichst monopolisierte Kultur- und Medienindustrie
sowie vor allem ein harmonisierter und seelenloser Unterhaltungsbetrieb
eine Opiumhöhle fürs Volk schaffen sollen. Was das
Krimi-Genre betrifft, ist Kottan da 1976 erstmals ausgebrochen,
aber Kommissar Rex und andere haben uns wieder
zurückgeführt.
k.i.: Kottan ist auch ein besonderer Ermittlertyp
Zenker: Natürlich, bezüglich des Ermittlers lancierte
Kottan ermittelt eine weitgehend neue Herangehensweise,
hier markiert Kottan einen neuen Archetyp. Hier ermittelt
nicht mehr der intellektuelle und raffinierte Oberinspektor,
der Herr Hofrat mit klischeehafter Wiener Galanterie, sondern
ein authentischer, in seiner Herkunft proletarischer und entsprechend
problembehafteter Kiberer, der nicht beansprucht,
staatstragender polizeilicher Lehr- und Schulmeister zu sein,
der eben das zuvor beschriebene Milieu der kleinen Leute
repräsentiert, seine Schwächen hat und obwohl
Staatsdiener es mit als Schikanen empfundenen
Gesetzen nicht immer so genau nimmt. Und er weiß auch
um seine eigene Unzulänglichkeit innerhalb eines Systems,
das ebenfalls unzulänglich ist eben deswegen ist
Kottan auch zutiefst antiautoritär, verfügt aber
auch selbst nur über eine sehr brüchige Scheinautorität.
Damit war Kottan seinerzeit ein klarer Gegenentwurf zur gängigen
Darstellung des charakterlich faltenfreien und methodisch
perfekten Ermittlers, zu Fritz Eckhardt als Marek
oder Horst Tappert als Derrick. Das hat in der
deutschsprachigen Krimilandschaft Spuren hinterlassen, denn
heute gibt es in jedem x-beliebigen Tatort-Team
ein Mitglied, das aus der Reihe tanzt, gesellschaftlich nicht
funktioniert, einfach kaputt ist. Das ist aber nur die Oberflächenvariante.
Etwas tiefer betrachtet bewegen sich Kottans tatsächliche
Seelenverwandte ausschließlich in Wien oder von
Wien aus , diesbezüglich würde ich vor allem
Wolf Haas Brenner, in den Filmen von Josef
Hader dargestellt, nennen, mit Abstrichen auch Ernst Hinterbergers
Trautmann. Für diese Figuren hat sicher der
frühe Kottan ein bisschen den Weg bereitet. Aber auch
das Skurrile hat natürlich Kottan ermittelt
ins Krimi-Genre gebracht und auch das wirkt nach, aktuell
fällt mir diesbezüglich das Tatort-Team
aus Münster ein. Anzumerken ist noch, der Vollständigkeit
halber, dass auch Kottan nicht vom Himmel gefallen ist, sondern
er hat mit Helmut Qualtingers Radosch einen Vorgänger,
der schon einiges antizipiert hat, wenngleich in der kleinbürgerlichen
Herkunftsvariante.
k.i.:
Welchen Blick auf Polizei, Staatsgewalt oder Politik lässt
Kottan zu? Alles nur Parodie?
Zenker: Ein meines Erachtens gravierendes Missverständnis
besteht darin, Kottan ermittelt als bloße
Polizei-Parodie zu verstehen. Heutzutage wäre es ohnedies
müßig, Witze über die Wiener Polizei zu machen,
denn die Wirklichkeit mit den Herren Horngacher, Geiger etc.
kann sowieso keinerlei Fiktion toppen. Andererseits wäre
es auch verfehlt, denn die ganz realen Amtshandlungen der
österreichischen Exekutive und die Handlungsdirektiven
des Innenministeriums hinterlassen alle paar Wochen tote Asylwerber,
misshandelte Immigranten, erniedrigte Frauen, menschenrechtsfreie
Bürger, rassistische Hetze und Kinder in Schubhaft. Das
kann man und muss man sogar thematisieren und wir tun
es auch in unserem Stück , aber mit diesen Dingen
ist eben nicht im Police Academy-Stil zu spaßen,
denn dafür sind sie zu gravierend und zu ernst.
Aber zurück zu Kottan. Wenn Kottan
überhaupt eine Parodie oder Persiflage ist, dann, wie
gesagt, gewiss nicht unmittelbar auf die Polizeiarbeit. Parodiert
wurde vielmehr der gängige Typus ihrer idealisierten
öffentlichen Darstellung, d.h. nicht zuletzt des Kriminalfilms,
wie ihn eben Marek oder Derrick verkörperten.
Kottan ist also vorrangig auch gewiss keine Polizeikritik
das wäre auch banal , sondern Kultur-, Medien-
und vor allem Gesellschaftskritik, Sozialkritik und somit
allem Schmäh zum Trotz eigentlich eine ernste
Angelegenheit. Und das hat dann natürlich auch etwas
mit dem Staat, seiner Verfasstheit, der Staatsmacht und Staatsgewalt
zu tun, also denn doch schon wiederum auch mit der Polizei
und ihrer Arbeit. Und natürlich mit allem, was an Interessen
mitunter dahinter steht, etwa das wirtschaftskriminelle Dreieck
von Politik, Ökonomie und organisierter Kriminalität.
Kottan ist ja ewig unzufrieden damit und deswegen als
Ermittler zumeist auch ziemlich wenig engagiert , dass
er immer nur unbedeutende Fälle, Morde aus niederen Motiven,
zu bearbeiten hat. Hingegen hätte Kottan sicher sehr
gerne in der Causa BAWAG, Eurofighter oder Meinl ermittelt,
wo es, so Kottan, noch Kriminelle von Format gibt.
Da passt Kottan zu Peter Sodann, ehemals Kommissar Ehrlicher
aus dem Leipziger Tatort-Team: Sodann meinte,
als er ankündigte, für die Linke als deutscher Bundespräsident
zu kandidieren, als realer Polizist hätte er mit Vergnügen
den nicht nur moralisch fragwürdigen Deutsche Bank-Chef
Josef Ackermann verhaftet Kottan gewiss auch, wenngleich
nicht aus jenen finanzkapitalismuskritischen Gründen,
die für Sodann ausschlaggebend sind, sondern aus oberflächlicheren
Motiven.
k.i.: Was würde Kottan zur Wirtschaftskrise sagen?
Zenker: Das kann ich ziemlich genau wiedergeben: Oarsch!,
sagt er im Rabenhof-Stück. Tatsächlich spielt die
gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise in unserem
Stück eine Rolle, in mehrfacher Hinsicht. Kottan selbst
ist natürlich ein Opfer der Krise, das schnell bemerkt,
dass die kleinen Leute von den Banken über den Tisch
gezogen werden und die Gstopften es sich richten
wie in der Wirklichkeit werden die Krisenverluste sozialisiert
(auch zulasten Kottans), die Profite, die es immer noch gibt,
bleiben privatisiert. Als Individualist spürt Kottan
freilich seine Machtlosigkeit dem System gegenüber, er
hat keinerlei Ansatzpunkt, sich erfolgreich zu wehren. Das
geht natürlich nur kollektiv, von unten organisiert und
solidarisch, gegen die Banken und Konzerne und die sie bedienende
Politik. Für Kottan gibt es diese Einsicht nicht, er
steht der Krise hilflos gegenüber. In der wirklichen
Welt wird dies bei den Menschen hoffentlich nicht mehr lange
der Fall sein, denn dass der Kapitalismus keine rosige Zukunft
hat und bieten kann, dessen ist sich wohl sogar die Wirtschaftskammer
schon bewusst geworden.
k.i.: Welche Zukunft hat Kottan selbst?
Zenker: Kottans Zukunft bleibt so, wie sie bisher war: offen.
Verschiedene Projekte sind angedacht oder in Entwicklung.
Aber ich bitte um Verständnis, dass ich zu laufenden
Ermittlungen nichts Konkretes sagen kann.
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